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Leseprobe:
Lektorat
Titel: John Rabe
Budget: Keine Nennung
Autor: Florian Gallenberger
Vorlage: Original Drehbuch
Seiten: 190
Genre: Historie, Biopic
Ort: China/Nanking
Zeit: 1937
Regie: Florian Gallenberger
Anbieter: Keine Nennung
Lektor: Michael Mikolajczak    
                
 
Logline
1937: Der deutsche Ingenieur JOHN RABE arbeitet für Siemens in China. Als Japan China überfällt hilft Rabe der chinesischen Bevölkerung, richtet eine Schutzzone für sie ein und rettet unzählige Leben.
 
Kommerzielle Auswertung
Buch: passabel                            
Zielgruppe männlich: gut            
Zielgruppe weiblich: schlecht                                            
Alter –25: passabel-schlecht                        
Alter –35: gut-passabel                  
Alter –49: gut                        
Kino: passabel                            
DVD: passabel                  
TV ÖR: gut
TV Privat: gut-passabel                    
 
Medium:    
Arthousekino, TV
 
FSK/Sendeplatz:
12 /Prime Time
 
Qualität des Buches
Thema: gut    
Handlung: gut                    
Charaktere: gut                    
Dialoge: gut                    
Struktur: gut                    
Setting: gut                    
                                      
Spannung: mittel                
Erzähltempo: mittel            
Humor: nicht vorhanden                            
Romantik: nicht vorhanden
Tragik: mittel                        
Erotik: gering                            
Action: mittel-hoch                
SFX: mittel-hoch                          
Gewalt: mittel                
Originalität: hoch                            
                
Fazit
Ein starkes Buch, ein interessantes Projekt..
 
 
Inhalt
1937, China.
Die japanische Armee hat Shanghai eingenommen. Unter Führung von PRINZ ASAKA marschieren die japanischen Truppen auf Nanking zu. Sie wollen die Stadt so schnell wie möglich einnehmen. Prinz Asaka sagt, wenn die Stadt nicht binnen drei Monaten fällt, werde der Krieg verloren gehen. Fällt die Stadt, wird der Widerstand der Chinesen im ganzen Land gebrochen sein. Die Schlacht um Nanking ist eine Entscheidungsschlacht. Prinz Asaka weist seine Offiziere an, dass sie keine Gefangenen machen sollen. Alle Chinesen müssen sterben.
 
JOHN RABE (ca. 45) ist Deutscher und verantwortlich für das größte Staudammprojekt der Welt. Die Siemens Werke stauen in Nanking weltweit die größten Wassermengen, um Elektrizität für China zu gewinnen. Rabe leitet das Projekt, er lebt mit seiner Frau DORA (ca. 45) in Nanking. Neben diesem Projekt stellen Rabe und Siemens die Stromversorgung und das Telefonnetz der Stadt zu Verfügung.
 
Doch Siemens ruft Rabe nach Hause und schickt seinen Nachfolger, den Nazi FLIEß nach Nanking. Fließ teilt Rabe mit, dass das Projekt eingestellt werde, dass der Staudamm und das Elektrizitätswerk nie fertig gestellt werden. Rabe ist wütend und traurig zu gleich, sein Lebenswerk, das ihm Weltruhm beschert hätte, ist zerstört. Mit seiner Frau und seinen chinesischen Dienern packt er seine Sachen zusammen. Sie wollen mit einem Schiff, Stadt und Land verlassen.
 
VALERIE ist Lehrerin und Tanzlehrerin. Sie unterrichtet fünfzehn chinesische Mädchen in einer Schule. Unter den Mädchen ist LANGSHU, eine begabte Fotografin, die jede freie Minute mit fotografieren verbringt.
 
In der deutschen Botschaft treffen Valerie und Rabe auf den deutschen Botschafter TRAUTMANN. Sie erfahren vom Plan der Japaner, die Stadt zu erobern. Ebenso erfahren sie von den Befehlen der chinesischen Soldaten, bis zum letzten Mann die Stadt zu verteidigen und diese nicht Preis zu geben.
 
Mitten während des Empfangs in der Botschaft beginnen die Kämpfe. Bomber fliegen über die Stadt, Tote und Feuer sind die Folge. Die Menschen sind in Panik. Auch das Schiff, mit dem Rabe und seine Frau das Land verlassen wollten, wird von Flugbomben versenkt.
 
Japanische Panzer und Soldaten rücken gegen die Stadt vor. Sie töten tausende der chinesischen Verteidiger. Alle Kriegsgefangenen werden erschossen. Ihre Leichen stapeln sich im Fluss vor der Stadt. Die Leichenstapel sind höher als die Brücken, die in die Stadt führen.
 
Rabe öffnet die Tore der Siemenswerke. Er ruft die Chinesen auf, auf dem riesigen Gelände Schutz zu suchen, dann lässt er die deutsche Fahne hissen, um den Japanern klar zu machen, dort keine Bomben abzuwerfen. Rabe rettet tausenden Chinesen das Leben.
 
DR. WILSON ist Arzt und lebt in Nanking. Er und sein Team in der Klinik sind mit den Verletzten überfordert. Sie haben kaum Schmerzmittel, müssen ohne Betäubung die Menschen operieren. Wilson ist voll Wut, Siebzehn Kinder wurden schwer verletzt. Er kann keines davon retten.
 
Die japanischen Soldaten richten nicht nur unter den chinesischen Soldaten ein Blutbad an, sondern auch unter der Zivilbevölkerung. Ein Abschlachten beginnt. Valerie beschließt, ein Komitee zum Schutz der Zivilisten einzurichten. Wilson und Rabe helfen ihr, Rabe wird zum Vorsitzenden gewählt. Gemeinsam erklären sie das Siemenswerk, die Klinik und die Mädchen-Schule zur Sperrzone für chinesische und japanische Soldaten und zum Schutzraum aller Zivilisten. Es gelingt ihnen, dass sowohl das japanische als auch das chinesische Militär die Schutzzone duldet.
 
Das Komitee ist zufrieden, nur der Nazi Fließ nicht. Er wettert darüber, dass die deutsche Fahne zum Schutz für Chinesen missbraucht werde. Rabe ignoriert seinen Nachfolger, erinnert ihn daran, dass dieser offiziell erst in paar Tagen das Sagen über das Siemenswerk besäße. Fließ fügt sich.
 
Der deutsche Botschafter Trautmann informiert Rabe, dass er die letzten beiden Plätze des letzten Schiffes, das die Stadt verlassen wird, für Rabe und dessen Frau reserviert. Rabe bringt Trautmann und Dora an Bord, dann kehrt er in die Stadt zurück, um den Menschen zu helfen. Von Land aus sieht er, wie japanische Bomber das Schiff versenken. Rabe sucht nach seiner Frau, doch er findet sie nicht. Er hält sie für tot.
 
DR. ROSEN ist vom deutschen auswärtigen Amt nach Nanking versetzt worden. Mitten im Krieg kommt er dort an. Er ist ein Nazi-Hasser und sofort im Konflikt mit Fließ. Rabe unterstützt Rosen und der hilft dem Komitee bei seiner Arbeit. Sie stellen eine Grundversorgung mit Reis für die Menschen in der Schutzzone sicher.
 
Der Kampf ist entschieden. Die Japaner marschieren in die Stadt ein. Wer ihnen nicht zujubelt, wird sofort erschossen. Prinz Asaka macht seinen Offizieren klar, dass er Plündern, Morden und Vergewaltigen nicht strafrechtlich verfolgen wird. Offiziere und Soldaten setzen den Wunsch des Prinzen um. Sie töten wahllos Zivilisten, beginnen sportliche Wettkämpfe, wer in kürzester Zeit die meisten Chinesen mit dem Schwert enthaupten kann. In japanischen Tageszeitungen werden die Sieger dieser Wettbewerbe abgedruckt.
 
Die japanischen Eroberer verletzten nach Belieben die Schutzzone. Sie dringen ins Mädchencollage ein, wollen die Schülerinnen von Valerie vergewaltigen. Valerie verteidigt ihre Mädchen und greift die Soldaten an. Deren Offizier ist von Valeries Mut beeindruckt und pfeift seine Soldaten zurück. Die Mädchen sind gerettet, doch dafür lässt der Offizier alle chinesischen Männer töten, die er rund um die Schule antrifft. Valerie ist verzweifelt.
 
Valerie versteckt in ihrer Schule chinesische Soldaten. Sie weiss, dass die Japaner entgegen allen Verträgen und Zusagen jeden chinesischen Soldaten der sich stellen würde, töten würden. Valerie weiss, dass wenn die Japaner von den chinesischen Soldaten in der Schutzzone erfahren, die Schutzzone geräumt und geschlossen werden wird. Sie verheimlicht Rabe und Wilson, dass sie Soldaten beschützt.
 
Rabe erfährt von geköpften Chinesen, deren Häupter auf Gartenzäune gespießt wurden. Er erfährt von Schwangeren deren Babys aus den Bäuchen geschnitten wurden. Von Männern die geköpft wurden, deren Frauen die Köpfe liebkosen mussten, während ihre Töchter vergewaltigt wurden. Rabe beschließt die Gräueltaten zu dokumentieren und sie der Weltöffentlichkeit zukommen zu lassen. Langshu macht die Fotos, darunter eine Aufnahme, die später weltberühmt werden sollte. Ein japanischer Soldat steckt eine Zigarette in den Mund eines geköpften Mannes.
 
Rabe will zum japanischen Prinz, doch der gewährt ihm keine Audienz. Aus Wut stellt Rabe im Siemenswerk dem Prinzen den Strom ab und postwendend empfängt dieser Rabe. Rabe prangert die Morde der Japaner unter der Zivilbevölkerung an. 50 000 Zivilisten seien bereits ermordet worden, doch Prinz Asaka leugnet dies, sagt, alles sei chinesische Propaganda.
 
Rabe geht. Kurz darauf wird sein Chauffeur enthauptet. Wütend kehrt er zum Prinzen zurück und bekommt als Kompensation das Leben von 20 Chinesen geschenkt, die er sich selbst aussuchen soll.
 
Rabe ist verzweifelt. Obwohl er HITLER nicht mag, schreibt er ihm einen Brief, bittet ihn, seinen Einfluss geltend zu machen, damit die Japaner aufhören, menschenverachtende Morde an der Zivilbevölkerung zu begehen. Dr. Rosen glaubt nicht an die Hilfe Hitlers, er macht den Hitlergruß und ruft „Heil Hintern!“
 
Rabe ist Diabetiker. Sein Vorrat an Insulin ist zu Ende. Er hält so lange durch, wie er kann, dann kollabiert er. Als Dr. Wilson davon erfährt, sucht er Prinz Asaka auf und der veranlasst, dass Rabe Insulin aus japanischen Beständen bekommt. Rabe überlebt dank Asaka und Wilson.
 
Prinz Asaka erfährt, dass Valerie chinesische Soldaten versteckt. Er stellt dem Komitee ein Ultimatum. Wenn sie die Chinesen nicht ausliefern, werde die Schutzzone geräumt. Rabe und die anderen stecken in ein Dilemma. Liefern sie Hunderte von Chinesen aus, so werden diese sterben. Wird die Schutzzone aufgelöst, werden noch mehr chinesische Zivilisten getötet.
 
Rabe, Valerie, Dr. Rosen und Wilson beschließen auf Zeit zu spielen. Sie wissen, dass ein Schiff mit internationalen Beobachtern und Diplomaten auf dem Weg nach Nanking ist und dort bald einlaufen wird. Sie lassen das Ultimatum verstreichen.
 
Prinz Asaka schickt seine Armee zur Schutzzone, lässt diese ihre Gewehre anlegen, da öffnen sich die Tore der Schutzzone und Rabe und seine Freunde treten heraus. Sie bieten sich als Pfand an, weil es keine Soldaten in der Schutzzone gebe. Es ist ein Bluff. Asaka durchschaut ihn, will seine Männer anweisen, dass sie das Komitee erschießen sollen.
 
Das Schiff mit den Diplomaten und Beobachtern legt im Hafen an. Das Signal des Schiffs ist in der Schutzzone zu hören. Rabe sagt, wenn Asaka sie jetzt alle töten lasse, werde die ganze Welt davon erfahren. Prinz Asaka zieht seine Soldaten zurück.
 
Auf dem Schiff befinden sich auch Botschafter Trautmann und Dora. Beide haben das Schiffunglück überlebt. Rabe ist überglücklich, seine Frau lebend wieder zu sehen.
 
Trautmann und die Diplomaten verhandeln mit Asaka. Sie erreichen, dass die Schutzzone aufrecht erhalten wird, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Das Beweismaterial über die Gräueltaten muss den Japanern übergeben werden, Rabe muss das Komitee und das Land verlassen und Fließ wird sein Nachfolger. Rabe und das Komitee erkennen die Bedingungen an.
 
Rabe und Dora verlassen die Stadt und das Land. Sie kehren nach Deutschland zurück. Ein Textinsert informiert, dass die Nazis Rabe mit Verhaftung gedroht haben, wenn er über seine Erlebnisse berichtet. Erst nach Rabes Tod sind diese bekannt geworden. Rabe selbst wurde nach dem Krieg von den Alliierten für einen Nazi gehalten. Er starb in Armut 1950. Der japanische Prinz Asaka hingegen musste sich dank seines Adelstitels nie für die von ihm angeordneten Massenmorde verantworten.
 
 
 
 
Bewertung
 
Thema
Der Krieg zwischen Japan und China, der heute noch zwischen den Ländern für Spannungen sorgt, weil die Gräueltaten der Japaner nicht vergessen wurden. Das Thema ist international, zu einem deutschen Thema wird es dank der Hauptfigur John Rabe und durch die Starke Präsenz von Siemens im Drehbuch.
 
Es ist ein bisher unverfilmtes Thema, das mir damit sehr originell und originär scheint.
 
Im Grunde ist das Buch eine Variation zu Schindlers Liste. Ein Deutscher rettet tausende von Chinesen, setzt sein eigenes Leben dafür aufs Spiel. Die Parallelen zu Schindler sind nicht zu übersehen, nur dass es dort Juden und nicht Chinesen waren.
 
Handlung/Struktur
Die Handlung des Buchs basiert auf den Tagebüchern der historischen Figur John Rabe. Ohne diese zu kennen, wirkt die Handlung des Films auf mich sehr authentisch und auch ehrlich. Indizien dafür sind, dass Rabe sich in der Handlung nicht vom Hitlerregime distanziert, ihm angehört, ohne ihm zu frönen (Siehe Figuren). Aber auch die Härte und Brutalität, die Menschenverachtung, die über den Krieg erzählt wird.
 
Gewalt wird im Film besonders unmittelbar in seiner emotionalen Wirkung auf einen Zuschauer, wenn die Gewalt authentisch und historisch verbürgt wird. Dies ist hier der Fall.
 
Wenn die Japaner die chinesischen Soldaten auf eine Brücke zwingen, sie dort erschießen, die Leichen in den Fluss stürzen und das Morden weitergeht, bis der Leichenberg höher als die Brücke ist, dann ist das nichts für schwache Nerven. Nicht nur pure Grausamkeit, sondern auch die Ineffizienz des Tötens wird hier erzählt. Es gibt Tausende Gefangene, die Exekutionen würden Monate dauern, wenn man sie weiter auf diese Weise durchgeführt würden. Zur Ineffizienz kommt die technische Unmöglichkeit des Tötens, wenn die Brücken zu niedrig werden, weil die Leichenberge zu hoch sind.
 
Die Japaner steigern ihre Effizienz. Sie lassen längs des Flusses alle Chinesen in einer kilometerlangen Reihe antreten, dann fahren sie im Auto an den Menschen vorbei und erschießen sie aus dem Wagen mit Maschinenpistolen. Effizient. Zynisch. Authentisch. Das ist harter Tobak.
 
Ein weiterer Aspekt des erzählten Tötens: Der Sport. Ein Wettbewerb, welcher Offizier in einer bestimmten Zeiteinheit mehr Chinesen mit dem Schwert köpfen kann, wird ausgelobt und der Verlauf der „Sportveranstaltung“ wird in japanischen Zeitungen abgedruckt. Dann gibt es noch den klassischen Verlauf von Gewalt, wie man ihn aus Kriegsfilmen und der Historie kennt. Mord und Vergewaltigung.
 
Die Japaner im Buch sind Menschenvernichter. Die Handlung konzentriert sich darauf, dies raumgreifend zu erzählen.
 
Die Gewalt im Buch ist überall. Sie wird im On wie bei der Exekution erzählt aber auch im Off via Dialog, wenn von schwangeren Frauen die Rede ist, deren Babys ihnen aus dem Leib geschnitten werden oder von Ehefrauen, die die Köpfe ihrer enthaupteten Männer liebkosen müssen, während die Töchter vergewaltigt werden.
 
Doch die Gewalt bedingt die Handlung und prägt die Figuren. Die Gräuel animieren Rabe, Valerie, Wilson zum Aufstellen der Schutzzone und machen aus normalen Europäerin Helden. Die Größe ihrer Taten und Anstrengungen wird einem Zuschauer durch die Gewalt klar, die um die Figuren und die Schutzzone herum herrscht. Dieser Film kann ohne die Gewalt nicht existieren.
 
Neben dem Kampf der Europäer für den Schutz des Lebens erzählt die Handlung einige kleine Nebenplots. Dr. Rosen, in den sich die Chinesin Langshu verliebt, der Konflikt von Rabe mit seinem Nachfolger, dem Nazi Frieß, dem privaten Leid von Rabe, der seine Frau für tot hält. Auch das gefällt, lockert ein wenig die harte Haupthandlung auf.
 
Ein weiteres Element der Auflockerung im Buch ist der Humor. Der ist klasse sehr dezent punktuell gesetzt und nur ab und an präsent. Dr Rosen der den Nazi Frieß damit ärgert, indem er statt „Heil Hitler“, „Heil Hintern“ ruft. Die Japaner die Hitlers Namen kennen und über den Hitlergruß die Deutschen als Deutsche ausmachen, die aber nicht merken, wenn Rosen statt Hitler Hintern ruft. Das hat klasse.
 
Ebenso klasse ist es, wenn Rabe sich seiner Macht bewusst wird und diese benutzt. Er ist der Herr über das Telefonsystem der Stadt, er ist der Herr über den Strom. Er ist der Repräsentant des Stromerzeugers Siemens in der Stadt. Rabe schaltet ab, setzt die Japaner ins Dunkle um sie zu Kooperation zu bewegen.
 
Oder wenn Rabe den Nazi Frieß empfängt, in einem Raum, den sich die Europäer teilen und in dem das Portrait des englischen Monarchen über dem von Hitler hängt und je nach Gast das eine Bild mit dem anderen ausgetauscht wird.
 
Das sind heitere Momente und charmanten Szenen, die den Film auflockern, die einem Leser und Zuschauer Pausen während der Gewaltorgie gönnen. Das hat was, ist gekonnt und bewusst gemacht.
 
Dann nochmals Lob, wenn der Autor in Zynismus eine Szene schreibt, in der Rabe einen Brief an Hitler aufsetzt, den größten Schlächter der Menschheitsgeschichte, bittet, den unmenschlichen Morden in China Einhalt zu gebieten. Aus der Situation betrachtet ist der Brief Rabes an Hitler ein verzweifeltes aber adäquates Mittel. Historisch rückblickend betrachtet ist es zynisch, höhnisch und ein starkes Statement des Autors.
 
Ein starkes Buch. An Handlung und Struktur gibt es nichts zu meckern.
 
 
 
Figuren
Rabe wird als Mitglied der Nationalsozialisten erzählt, doch er macht sich nichts aus Ideologie. Er ist kein Nazi. Er ist Ingenieur und arbeitet an seiner Lebensaufgabe, dem weltgrößten Staudamm zur Energiegewinnung für China. Um den Lohn seiner Arbeit wird Rabe durch den Krieg betrogen, doch ohne es zu ahnen, schafft der Krieg Platz für ein anderes Lebenswerk. Rabe wird zum Anwalt der chinesischen Zivilbevölkerung. Er richtet mit anderen Europäerin eine Schutzzone ein, kämpft um deren Erhalt und das Leben der Chinesen. Er wird ein Lebensretter, dessen Schicksal es sein wird, unbekannt, verkannt und arm zu sterben. Das macht die historische Figur von John Rabe zu einer sehr interessanten Filmfigur.
 
Sein Gegenspieler ist Prinz Asaka. Er hält die Macht in Händen, er entscheidet, dass die Chinesen massakriert werden, er ordnet Exekutionen und Gräueltaten an. Unterstützt wird er von hochrangigem Militär. Er hat keine Opposition. Die Japaner in der Führungsriege sind sich beim Abschlachten der Menschen einig. Das zeigt, das Verhältnis von Macht und Ohnmacht zwischen Antagonist und Protagonist und dies zeigt auch, dass die historische Figur Asaka eine ausgezeichnete filmische Figur ist.
 
Als Nebenfiguren tritt die Riege der Europäer auf. Dr. Wilson der Zyniker, der seine Wut auf die Hilflosigkeit durch Worte abträgt. Valerie, die mit ihrem schwachen Körper die Mädchen vor den Japaner schützt, Dr. Rosen, der Nazi-Hasser und Helfer in der Not. Allesamt überzeugen sie als Nebenfiguren.
 
 
Dialog
Der Action untergeordnet ist die Sprache, doch sie Ausdruck von Emotion pur. Verzweiflung, Wut, Hilflosigkeit, Trotz, Verlogenheit, Zynismus. Auch hier überzeugt das Buch.
 
 
Kommerzielles Potential
Mir ist unklar, ob der Stoff ein Kinofilm mit Überlänge werden wird, denn auf Basis der Buchseiten ist ein 180 Minuten Film zu erwarten. Denkbar wäre auch, dass der Film als Zweiteiler fürs TV gedreht werden wird und in einer 90 Minuten Kinoauswertung ausgewertet werden kann. Oder, dass der Stoff als reiner Zweiteiler im TV geplant ist. Letzteres glaube ich nicht, da Gallenberger ein „Kino-Mann“ ist und da der Stoff als reiner TV Eventfilm zu hart und zu düster ist. Ich glaube an Kino und da gehört der Film auch hin.
 
Das Projekt ist für die komplette Verwertungskette interessant, wobei ich nicht glaube, dass der Film auf Grund der Kriegsgräuel die ausführlichst erzählt werden, vor 22 Uhr im TV zu sehen sein werden. Eine FSK 16 ist bei diesem Projekt anzunehmen.
 
Die Zielgruppe scheint mir zwischen 20 Jahren bis hin zu den wenigen Zeitzeugen zu liegen, die die Nazi-Zeit noch erlebt haben.
 
Das Publikum rekrutiert sich einerseits aus einer Arthouse-Ecke, die sich für einen historischen Kriegsfilm interessiert, anderseits aus der Mainstream-Ecke, die durch die Action und Gewalt den Film interessant finden werden. Gemeinsam an diesen unterschiedlichen Zielgruppen scheint mir, dass sie männlich sind.
 
Es ist kein Frauen affiner Film, der hier erzählt wird. Das Buch versucht dies auch nicht und distanziert sich damit von den historischen Event Zweiteilen im deutschen Fernsehen.
Die Exposition etabliert zwar das Eheleben von Dora und John, doch dann stirbt Dora scheinbar und zwischen Valerie und John entwickelt sich nichts auf Gefühlsebene. Gefühle werden ganz, ganz am Rande im Nebenplot von Dr. Rose und Langshu erzählt, die sich ineinander verlieben und in der Auflösung, wenn im Schlussbild Dora und Rabe wieder vereint sind.
 
Der Film ist aufgrund des Themas besonders für den Deutschen und Asiatischen Markt interessant, wird aber für den Weltmarkt gemacht. Macht auch Sinn, denn das Budget scheint mir sehr hoch. Die Schlachten und das Morden, die unzähligen Komparsen, Nanking als historische Stadt, Flieger und Bombenschäden. Der Film wimmelt vor Special Effects und Menschenmassen.
 
Im deutschen TV sehe ich den Film sowohl bei Öffentlichen Rechtlichen als auch bei den Privaten. Hier ist alles denkbar, nach einer Kinoauswertung.
 
 
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